Karl Reinthaler wurde am 18. September 1913 in Villach geboren. Sein Vater Martin kam aus dem Industriegebiet im oberen Traisental (Niederösterreich), seine Mutter Elisabeth aus Annaberg bei Maria Zell. Zwei Jahre nach seiner Geburt wurde sein Vater, der zu dieser Zeit im Zugförderungsdienst arbeitete, zum Kriegseinsatz nach Galizien eingezogen. Der begeisterte Bergsteiger verlor nach nur wenigen Wochen Fronteinsatz beide Beine.

Im Herbst 1916 wurde er nach Hainfeld an der Gölsen überstellt und bekam als Kriegsinvalide die Möglichkeit, im dortigen Heizhaus zu arbeiten. Doch die neuen Arbeitsbedingungen in Hainfeld sowie eine im Krieg nicht ausgeheilte Ruhrerkrankung verschlechterten seinen Gesundheitszustand.

1918 bot sich bei der Hauptwerkstätte St. Pölten eine passende Gelegenheit in der Uhrmacherabteilung, die Geschwindigkeitsmesser herstellte. Karl Reinthaler übersiedelte mit seiner Familie nach St. Pölten in die Passauer Straße, die für damalige Verhältnisse in einer typischen Eisenbahnersiedlung lag.

 

kindheitKarl Reinthaler (links) mit Mutter und Geschwistern.

 

Martin Reinthaler litt unterdessen immer deutlicher an seiner Kriegsverletzung. Die Prothesen für seine Füße wogen insgesamt neun Kilogramm. Oftmals musste die Familie den Vater mit einem Bretterwagen von der Arbeit abholen, weil er zu schwach war, um selbständig gehen zu können. Die im Krieg nicht ausgeheilte Ruhrerkrankung forderte letztendlich ihren Tribut: Karl, gerade neun Jahre alt, verlor 1922 seinen Vater. Als Vermächtnis hinterließ er seinem Sohn jenen Satz, der ihn ein Leben lang begleiten sollte:

“Ich kann mein Schicksal mit der Gewissheit ertragen, dass Karl nie mehr in einen Krieg ziehen muss!”

Der Verlust seines Vaters brachte nicht nur seelische Entbehrungen mit sich. Seine Mutter, selbst schwer an TBC erkrankt, musste mit einer kleinen Invalidenpension fünf Kinder ernähren. 1927 bestand der erst 14-jährige Karl die Aufnahmeprüfung für die Lehrwerkstätte der Hauptwerkstatt St. Pölten und absolvierte dort eine Lehre zum Maschinenschlosser. Das Ende seiner Lehrzeit im Jahr 1931 bedeutete für ihn aber nicht die Übernahme in den aktiven Dienst der Eisenbahn, sondern drei Jahre Arbeitslosigkeit, in denen er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten musste. In dieser Zeit knüpfte Karl erste Verbindungen zur Sozialistischen Partei Österreichs, zunächst über die Kinderfreunde und anschließend über die sozialistische Gewerkschaftsbewegung. Zudem besuchte er die Werkmeisterschule für Maschinenbau und Elektrotechnik in Wien, um sich in seinem Beruf weiterzubilden.