Seit dem 14. Februar 2002 fungiert Karl Reinthaler als Namensgeber eines Gebäudes in Saalfelden, welches – ähnlich wie er selbst – über eine vielschichtige und von Höhen und Tiefen geprägte Vergangenheit verfügt.

Die Geschichte des Karl-Reinthaler-Hauses

Die Marktgemeinde von Saalfelden wurde bereits seit 1918 von einem sozialistischen Bürgermeister angeführt. Zurückzuführen ist dies auf die Bedeutung der Gemeinde als Eisenbahnerstandort. Die dort anfallenden Hilfsdienste, beispielsweise im Fahrdienst, im Heizhaus oder in der Bahnerhaltung, wurden im wesentlichen aus der bäuerlichen Bevölkerung bestritten. Ein Großteil der untergeordneten Bediensteten kamen aus dem Agrarbereich. Dazu der frühere sozialistische Bürgermeister Karl Reinthaler, der 1936 nach Saalfelden kam:

„Und in diesem aus der Landwirtschaft stammenden Kreis habe ich immer wieder die Beobachtung gemacht, dass das die treuesten Anhänger waren, die nämlich aus dem Nichts als Person, als eine Null in der Landwirtschaft, plötzlich zu einem angesehenen Eisenbahner, zu einem Beamten, geworden sind. Und das hat einen ungeheuren sozialen Aufstieg für diese Menschen bedeutet, und da war eben die sozialdemokratische Bewegung ihre Heimat.“

Als Bürgermeister fungierte von 1919 bis 1934 der Sozialist Josef Riedler. Nach seiner Absetzung durch die Heimwehr wurde die Marktgemeinde kurzzeitig kommissarisch geführt und verwaltet. Im März 1934 wurde Johann Eiböck zum Regierungskommissär der Marktgemeinde ernannt. Der Sägemeister hatte sein Amt aber nur zwei Jahre inne. Nachfolger wurde der Landtagsabgeordnete Bartholomäus Fersterer, der 1938 auf dieselbe undemokratische Weise seines Amtes enthoben wurde, wie es Riedler 1934 miterleben musste.

Das Badhaus des Vereines „Arbeiterheim in Saalfelden“

1922 kaufte die Sozialistische Partei der Ortsgruppe Saalfelden das ehemalige Badhaus im Vorstadl, der jetzigen Ritzenseestraße und betrieb es als Vereinsheim. Dazu wurde am 14. Juni 1923 der Verein „Arbeiterheim Saalfelden“ gegründet. Das Anwesen wurde Badhaus genannt, da zum Bestand ein 20 mal 15 Meter großes Wasserbecken gehörte. Das Wasser stammte aus dem Gesundheitsbrunnen, also jener Quelle, die heute das Saalfeldener Rehabilitationszentrum der PVA versorgt. Möglich wurde dies durch einen Gelegenheitskauf am Realitätenmarkt. Durch das geschickte Ausnützen der Inflationskonjunktur passierte es, dass der Kaufpreis des Hauses wenige Wochen später nur noch eine Bagatelle war.

Das Haus wurde bis in das Jahr 1934 als Arbeiterheim für Versammlungen und Sitzungen genützt. Neben der SPÖ-Ortsgruppe fanden auch diverse sozialistische Nebenorganisationen, wie etwa der Arbeiter-Turnverein, die Blauhemden, die Naturfreunde, die Kinderfreunde oder die Flamme darin eine Unterkunft. Aus den persönlichen Aufzeichnungen des verstorbenen ehemaligen Bürgermeisters Karl Reinthaler geht hervor, dass das Badhaus auch als Probelokal für die Theatergruppe und den Gesangsverein benutzt wurde. Eine Arbeiterbibliothek befand sich ebenfalls im Gebäude.

Die politischen Veränderungen der dreißiger Jahre fanden in der Ausschaltung des Nationalrates am 4. März 1933 und mit dem Verbot der Sozialdemokratie im Februar 1934 zwei ihrer undemokratischen Höhepunkte. Mit Anfang Mai des Jahres 1933 begann die Salzburger Landesregierung einzelne Gemeindevertretungen, darunter auch jene von Saalfelden, aufzulösen.

Im März 1934 wurde, wie bereits erwähnt, Johann Eiböck zum Regierungskommissär der Marktgemeinde Saalfelden ernannt. Sein Vorgänger, der Sozialist Josef Riedler, wurde am 13. Februar 1934 am Betreten des Gemeindeamtes und an der Ausübung seiner Funktion gehindert.

Im Zusammenhang mit dem Verbot und der Auflösung der ehemaligen Sozialistischen Partei Österreichs wurde der Verein auf Grund des § 7 Abs. 2 der Verordnung vom 16. August 1933 aufgelöst und das Vereinsvermögen sowie das gesamte Parteivermögen durch die Heimwehr beschlagnahmt. In weiterer Folge wurde das Gebäude an Josef Pliem verkauft. Wie das Haus wirtschaftlich geführt wurde, beziehungsweise um welchen Preis das Badhaus an Pliem verkauft wurde, ist heute nicht mehr nachvollziehbar.

Das Rückgabegesetz nach 1945

Nach 1945 wurde über den Rechtsanwalt K. Maier aus Salzburg von der SPÖ das Rückeignungsverfahren eingeleitet und nach einem siebenjährigen Rechtsstreit dem 1961 neugegründeten Verein „Arbeiterheim in Saalfelden“ übereignet:

„Im Zuge des bei der Rückgabekommission des Landesgerichtes Salzburg zur Gesch. Zl. Rg 1/47 vom Jahre 1947 bis zum Jahre 1954 anhängigen Rückgabeverfahrens wurden die dem Verein gehörigen Liegenschaften auf Grund der Bestimmungen des Rückgabegesetzes an den Restitutionsfonds der Sozialdemokratischen Organisationen zurückgestellt, wobei auf Grund der ergangenen Teilerkenntnisse dem zwischenzeitigen Eigentümer Josef Pliem in Saalfelden Entschädigungen für geleistete Investitionen und einen Teil des Kaufpreises geleistet werden musste.“

Gleichzeitig wurde das Haus zum Kauf ausgeschrieben, da man sich außer Stande sah, dass Gebäude betriebsfähig zu halten. Am 30. Dezember 1955 bzw. am 29. Februar 1956 wurde das Badhaus vom Restitutionsfond der Sozialdemokratischen Organisationen um 200.000 Schilling an Johann Thurner verkauft. Vom Verkaufspreis mussten die Kosten des Rückgabeverfahrens sowie Entschädigungszahlungen an Josef Pliem (siehe oben) geleistet werden. Nach Abzug aller Kosten blieben dem Verein „Arbeiterheim in Saalfelden“ rund 120.000 Schilling, die wertgesichert auf der Bank der Konsumgenossenschaft angelegt wurden.

Als neuer Vereinszweck wurde die Übernahme und Verwaltung der aus der Rückgabe des Vermögens des Altvereines zufliessendenden Mittel, der Erwerb eines geeigneten Grundstückes, die Erbauung eines neuen Hauses oder die Adaptierung eines bereits bestehenden Hauses angeführt.

1961: Die lange Suche nach einer neuen Heimstätte

Der Vereinszweck konnte erst 40 Jahre später erfüllt werden, als der Verein bereits eine neue Aufgabenstellung samt neuem Namen besaß. Denn der 1961 neugegründete Verein „Arbeiterheim in Saalfelden“ bestand lediglich für elf weitere Jahre. 1972 bekam dieser, auf Initiative von Siegfried Wohlfarter, ein neues Statut und nennt sich bis heute „1. Verein zur Bildungs- und Kulturförderung“. Der Vereinszweck besteht in der Förderung von Bildungsarbeit und Kulturveranstaltungen.

Im Frühjahr 2001 verlautbarte der Österreichische Gewerkschaftsbund seine Absicht, das Saalfeldener Gewerkschaftsheim verkaufen zu wollen. Dieses wurde 1955 von der Arbeiterkammer gebaut und dem ÖGB zu dessen Zwecke übergeben. Nach langwierigen Verhandlungen konnte der Vereinsvorstand des Kulturförderungsvereins das Haus zu günstigen Konditionen erwerben, wobei das Naheverhältnis zwischen Gewerkschaft und SPÖ eine große Rolle spielte, zumal Paragraph 4 der Satzungen des Kulturförderungsvereines festlegte, dass nur sozialdemokratische Parteimitglieder eine Mitgliedschaft im Verein erwerben können.

 

karl-reinthaler-hausDas heutige Karl-Reinthaler-Haus der SPÖ Saalfelden in der Bahnhofstraße 22.

 

Am 14. Februar 2002 wurde das nunmehr sich in Besitz des Kulturförderungsvereines befindliche Haus eröffnet. Als Namensgeber fungiert der ehemalige und bereits verstorbene Bürgermeister von Saalfelden, Karl Reinthaler. 68 Jahre nach der Enteignung des Badhauses gelang es dem Verein somit wieder, ein eigenes Gebäude für Versammlungen, Sitzungen und Veranstaltungen zu besitzen.


Verwendete Literatur:

  • Persönliche Aufzeichnung aus der Verlassenschaft von Karl Reinthaler.
  • Schuster, Eduard (1992). Die Erste Republik 1918-1938, in: Chronik Saalfelden, 354-358.
  • Schwaiger, Walter (2002). Interview vom 31.1.2002, handschriftliche Aufzeichnungen.
  • Sitzungsprotokoll der Salzburger Landesregierung vom 9.5.1933, 17.10.1933 und 25.4.1934, Landesarchiv Salzburg.
  • Statuten des Vereines „Arbeiterheim in Saalfelden“.
  • Statuten des „Vereines zur Bildungs- und Kulturförderung“.
  • Talos, Emmerich/Manoschek, Walter (19884). Zum Konstituierungsprozess des Austrofaschismus, in: Talos, Emmerich/Neugebauer, Wolfgang (Hg.): Austrofaschismus. Beiträge über Politik, Ökonomie und Kultur 1934-1938, Wien, 31.
  • Walter Thaler (1999). Stark betroffen. Wenig beachtet. Sozialdemokratie in Salzburger Gemeinden. Gespräche mit Salzburger Bürgermeistern, Salzburg, 175-189.